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Forschungsprojekt „Perspektiven für den Wirtschaftsstandort Dorf“

Sandra Lindemann, die 2007 ihren Master in Regionalmanagement und Wirtschaftsförderung abgeschlossen hat, sammelte ihre ersten beruflichen Erfahrungen zunächst bei der HI-REG Wirtschaftsförderung Region Hildesheim in den Bereichen Tourismusförderung und Fördermittelberatung und im Anschluss als LEADER-Regionalmanagerin für die Region Leinebergland. 2014 wechselte sie zum Landkreis Göttingen und übernahm dort verschiedene Tätigkeiten im Projektbüro Südniedersachsen. Seit 2017 ist sie nun an der HAWK Fakultät Ressourcenmanagement als wissenschaftliche Mitarbeiterin tätig. Dort forschte sie bis Sep 2020 in einem sechsköpfigen interdisziplinären Wissenschaftsteam der HAWK Fakultät Ressourcenmanagement Göttingen im Rahmen des Projektes „Perspektiven für den Wirtschaftsstandort Dorf“, welches durch den Europäischen Fond für regionale Entwicklung und das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur finanziert wurde.

Bei unserem Stammtisch, am 24. Juni 2021, gewährte Sie dem Netzwerk nun exklusive Einblicke in dieses Forschungsprojekt, bei dem sich die Wissenschaftler*innen mit der zentralen Frage auseinandersetzen, ob und für welche Unternehmen und Branchen das Dorf heute noch ein Wirtschaftsfaktor ist und welche harten und weichen Standortfaktoren hierfür bestehen oder gefördert werden müssen?

Ziel dieses Projektes war es Entwicklungshemmnisse und Entwicklungsperspektiven des Wirtschaftsstandorts Dorf, unter besonderer Berücksichtigung der Auswirkungen gesellschaftlicher Wandlungsprozesse und den neuen Perspektiven für den Wirtschaftsstandort Dorf aufgrund der digitalen Transformation, zu analysieren, um darauf aufbauend gemeinsam mit Projektpartnern aus den südniedersächsischen Kooperationsgemeinden Flecken Bevern im Landkreis Holzminden, Flecken Bovenden im Landkreis Göttingen und der Gemeinde Katlenburg-Lindau im Landkreis Northeim, Ansätze für eine spezifische Wirtschaftsförderung für das Dorf zu erarbeiten.

Um dieses Ziel zu erreichen wurde ein Forschungsdesign bestehend aus tiefgreifenden qualitativen und quantitativen Methoden aufgesetzt. Konkret wurde zunächst, aufbauend auf bereits vorliegenden Statistiken, eine ausgedehnte Recherche und eingehende Ortsbegehungen durchgeführt, um die aktuelle Wirtschaftsstruktur im Untersuchungsgebiet erfassen zu können. Im Anschluss daran wurden zur Analyse der Rahmenbedingungen über 50 explorative Interviews mit relevanten Akteuren aus den Bereichen Verwaltung, Politik und Wirtschaftsverbänden geführt. Gespräche und Workshops bezogen indes die Unternehmen aktiv qualitativ mit ein. Komplementiert wurde die Forschung durch eine quantitative Unternehmensbefragung per Post und online.

Die umfangreichen Ergebnisse, die das Wissenschaftsteam in der dreijährigen Forschung erlangte, wurden letztlich in einem Dialogprozess mit Praxispartnern zu drei Aussagen zusammengefasst, aus denen entsprechende regionsspezifische, aber auch übertragbare Handlungsfelder abgeleitet wurden, die nun als Hilfestellung für die Entwicklung des Wirtschaftsstandort Dorf fungieren können. Demnach steht das Dorf als Wirtschaftsstandort zwar diversen Herausforderungen, wie beispielsweise der Breitbandanbindungen, gegenüber, und auch hinsichtlich weicher Standortfaktoren besteht Verbesserungsbedarf, dennoch ist das Dorf „Ein (guter) Ort für Unternehmen“ (erste Erkenntnis), wenn ein entsprechendes Standortmarketing betrieben wird. Dabei übernimmt die „Gemeindeverwaltung eine Schnittstellenfunktion in der Region“ (zweite Erkenntnis), weshalb eine lokale Wirtschaftsförderung essentiell wichtig ist. Zudem müssen die „Dörfer aktiv weiterentwickelt werden“ (dritte Erkenntnis), um die entsprechenden Rahmenbedingungen für eine aktive Entwicklung des Dorfes als Wirtschaftsstandort zu schaffen, bzw. auszubauen.

Insgesamt vermittelte Sandra Lindemann in dem sehr kurzweiligen Vortrag nicht nur die sehr spannenden und erkenntnisreichen Ergebnisse, sondern ebenso wie abwechslungsreich und spannend die Tätigkeit als wissenschaftliche Mitarbeiterin bei Forschungsprojekten sein kann. Darüber hinaus zeigte sie den Teilnehmer*innen einmal mehr mit ihrem beruflichen Lebenslauf, bestehend aus Tätigkeiten in der Praxis und der Forschung, wie vielseitig die Studierenden nach dem Masterabschluss Regionalmanagement und Wirtschaftsförderung für ihren weiteren beruflichen Lebenslauf aufgestellt sind.

Weiterführende Informationen:

Zukunftszentrum Holzminden Höxter Bericht über das Forschungsprojekt „Perspektiven für den Wirtschaftsstandort Dorf“: www.das-zukunftszentrum.de/ZZHH-Bericht/Wirtschaftsstandort-Dorf.pdf

Podcast zum Forschungsprojekt „Perspektiven für den Wirtschaftsstandort Dorf“: www.das-zukunftszentrum.de/forschung/publikationen/podcasts/

Wissenschaftliches Poster zum Forschungsprojekt „Perspektiven Wirtschaftsstandort Dorf“: www.blogs.hawk-hhg.de

Projektwebsite „Perspektiven Wirtschaftsstandort Dorf“: www.blogs.hawk-hhg.de/projekt/